Copyright regio-kunst.de - Online-Kunstmagazin
Das Leben als Dauerperformance

Bonn - Unermüdlich läuft der Performer gegen die Wand, wie ein Avatar in einem Computerspiel, der vom Spieler die falsche Handlungsanweisung empfängt. Stefan Panhans‘ Video übersetzt Situationen aus der Gameswelt zurück in den menschlichen Körper und untersucht so, wie Phänomene aus der virtuellen auf unsere reale Welt einwirken: „Free Roam À Rebours, Mod#I.1“ ist eine von 43 internationalen künstlerischen Positionen, die die VIDEONALE.16 - Festival für Video und zeitbasierte Kunstformen ab dem 16. Februar 2017 unter dem Titel PERFORM! im Kunstmuseum Bonn zeigt. Begleitet wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Festivalprogramm am Eröffnungswochenende und den VIDEONALE.Parcours, das zum dritten Mal durchgeführte Ausstellungsprojekt mit studentischen Arbeiten an verschiedenen Orten in Bonn.

Stefan Panhans: Freeroam À Rebours, Mod#I.1, 2016
Courtesy: Der Künstler, © Foto: Stefan Panhans

Erik Levine: Still Lifes, 2016
Courtesy: Der Künstler, © Foto: Erik Levine

Rachel Rampleman: Bodybuilder Vignettes, 2016
Courtesy: Die Künstlerin, © Foto: Rachel Rampleman

Bereits zum zweiten Mal stand die Wettbewerbsausschreibung der Videonale unter einem thematischen Fokus. Mit PERFORM! knüpft die VIDEONALE.16 an die Anfänge der Verwendung von Videotechnik als dokumentarischer Begleiter und technisches Gegenüber von künstlerischen Performances an und stellt gleichzeitig die Frage nach der Bedeutung von Video-Performance heute, wo nicht nur der Künstler, sondern auch der Betrachter selbst immer öfter zum Performer im Kontext künstlerischer Arbeiten wird. Darüber hinaus referiert PERFORM! aber auch auf die zeitgenössische Durchdringung unseres gesamten lebensweltlichen Umfeldes mit performativen Handlungen. Durch unsere ständige Interaktion mit digitalen Endgeräten, in denen wir unsere Spuren hinterlassen, der steten Aufforderung zur Selbstpräsentation des Individuums im Netz, und zur Selbstoptimierung als wirtschaftliches Subjekt, wird unser Leben - bewusst oder unbewusst - zur Dauerperformance. Unsere Bewegungen werden zu Choreographien im öffentlichen Raum, die wir nur noch bedingt selbst gestalten können. Mit PERFORM! fragt die VIDEONALE.16 somit nach der Bedeutung des Performens im Sinne einer sozialen, ökonomischen, kulturellen oder auch künstlerischen Handlungsmaxime in einer global funktionierenden Welt und Leistungsgesellschaft.

„Das weite Feld der Performance ist deshalb so spannend, weil in jeder performativen Handlung - unabhängig davon ob sie in einem künstlerischen Umfeld, im Arbeitsleben oder im sozialen Miteinander stattfindet - eine Reihe von Codes, kulturellen und sozialen Wertvorstellungen mitschwingen, die im Moment des Performens, bewusst oder unbewusst, öffentlich vorgetragen und zur Diskussion gestellt werden. Heute wird der Begriff Performance ja fast schon inflationär für verschiedenste Lebensbereiche gebraucht. Wir wollen die verschiedenen Facetten abbilden und zugleich kritisch hinterfragen, was eine solche Durchdringung von Kunst und Gesellschaft durch das Performative eigentlich bedeutet. Die insgesamt 43 künstlerischen Positionen geben hier sehr unterschiedliche Impulse, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Während Künstler wie Lucy Pawlak, Stefan Panhans oder Lina Sieckmann & Miriam Gossing sich mit den Handlungsvorgaben der digitalen Welten, die uns umgeben, beschäftigen, steht in den Werken von Randa Maroufi, Louis Henderson, Jasmina Cibic oder auch Philip Widmann der Begriff Performance eher stellvertretend für kulturell motivierte Handlungsmuster und die Ausgrenzung oder Stigmatisierung des einenge genüber des anderen. Aber auch in unserem Arbeitsalltag werden wir immer mehr zu Performern, die ihre individuelle Selbsterfüllung im Beruf finden sollen, wie Ale Bachlechner in ihrem Performance-Trailer sehr schön darstellt; Moira Zoitl zeigt uns dann die andere Seite der Medaille. Die Formate sind dabei so unterschiedlich wie die Inhalte der Arbeiten und reichen von experimentellen Dokumentationen und Kurzfilmen, tänzerischen Choreografien im Raum, 3D Installationen und Videoskulptur bis hin zu Animationen und Live-Performances“, sagt Tasja Langenbach, Künstlerische Leiterin der VIDEONALE.16.

KünstlerInnen der VIDEONALE.16: Maria Antelman, Ale Bachlechner, Miriam Bajtala, Cooper Battersby & Emily Vey Duke, Jasmin Bigler & Nicole Weibel, Jared Buckhiester & Dani Leventhal, Jasmina Cibic, Yao Cong, Anita Delaney, An Van Dienderen, Jan Dietvorst & Roy Villevoye, Lisa Domin, Doplgenger, Teboho Edkins, Lotte Meret Effinger, Kevin Jerome Everson, Alex Gerbaulet, Miriam Gossing & Lina Sieckmann, Max Grau, Shadi Harouni, Louis Henderson, Vika Kirchenbauer, Sabrina Labis, Alwin Lay, Erik Levine, Randa Maroufi, Jennifer Mattes, Stefan Panhans, Lucy Pawlak, Benjamin Ramírez Pérez, Stefan Ramírez Pérez, Rachel Rampleman, Steve Reinke, Michael Robinson, Julia Scher, Sanaz Sohrabi, Moritz Uebele, Anna Vasof, Roy Villevoye, Philip Widmann, Susanne Wiegner, Felix Zilles-Perels, Moira Zoitl.

Zur Eröffnung der VIDEONALE.16 am 16. Februar 2017 wird eine herausragende künstlerische Arbeit aus den für die Ausstellung ausgewählten Arbeiten mit dem mit 5.000 Euro dotierten Videonale Preis der fluentum Collection ausgezeichnet. Die fluentum Collection ist eine private Sammlung zeitbasierter Medienkunst mit Sitz in Berlin, die seit einigen Jahren auch künstlerische Werke koproduziert. Vor diesem Hintergrund finanziert die fluentum Collection in diesem Jahr zum ersten Mal den Videonale Preis und möchte damit den ausgezeichneten Künstler bei der Produktion neuer Arbeiten unterstützen.

Die Ausstellung zur VIDEONALE.16 wird begleitet durch ein umfangreiches Festivalprogramm mit Künstlergesprächen, Performances, Diskussionsrunden, Retrospektiven, Führungen, Workshops und Vermittlungsprogrammen. Zum dritten Mal findet darüber hinaus der VIDEONALE.Parcours an verschiedenen Orten in der Stadt Bonn statt (18.2.-12.3.2017, Eröffnung: 17.2.2017) - in diesem Jahr mit Werken von Studierenden der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, der Hochschule für Gestaltung Offenbach und der Kunsthochschule für Medien Köln. Der VIDEONALE.Parcours wird kuratiert von Lisa Bosbach und Sonja Wunderlich. Die Ausstellungen - VIDEONALE.16 und VIDEONALE.Parcours - sowie die Sonderprojekte und das Festivalprogramm werden im Katalog zur VIDEONALE.16 dokumentiert.

Wie in den vergangenen Jahren findet die VIDEONALE.16 in den Wechselausstellungsräumen des Kunstmuseums Bonn statt. Die Ausstellungsarchitektur wird gestaltet von Ruth M. Lorenz maaskant Berlin, Architektin und Ausstellungsdesignerin. Sie realisierte Ausstellungsarchitekturen u.a. für Stedelijk Museum Amsterdam, Akademie der Künste Berlin, Haus der Kulturen der Welt Berlin, ZKM Karlsruhe und HMKV am Dortmunder U. Die dortige Ausstellung „Sounds like Silence“ erhielt den AICA-Kritikerpreis.
Copyright regio-kunst.de - Online-Kunstmagazin