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Auf der Suche nach einem verschollenen Meisterwerk

Berlin - Über den Verbleib des Gemäldes Der Turm der blauen Pferde, mit dem Franz Marc 1913 die Vorahnung einer neuen Zeit formulierte, wird achtzig Jahre nach seinem Verschwinden immer noch spekuliert. Das Haus am Waldsee in Berlin und die Staatliche Graphische Sammlung München haben zwanzig zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler von internationalem Rang eingeladen, die Geschichte des Gemäldes mit den Mitteln der Malerei, der Zeichnung, der Bildhauerei, der Fotografie, Installation und Literatur in einer großen Doppelausstellung aus heutiger Sicht zu reflektieren.

Franz Marc: Der Turm der Blauen Pferde, 1913
© bpk
Martin Assig: St. Paul#786 (Sprechen), 2016
© VG Bildkunst, Bonn, Foto: Gunter Lepkowski
Norbert Bisky: Untitled, 2017
© VG Bildkunst, Bonn, Foto: Bernd Borchardt
Der Turm der blauen Pferde gilt als eines der Hauptwerke des deutschen Expressionismus und als zentrales Werk des Blauen Reiters. Schnell machte das Gemälde mit seinen dramatisch gestaffelten, blau durchleuchtenden Pferdeleibern Karriere. Während der Weimarer Republik avancierte es zu einer Art Kultbild einer aufgeschlossenen bürgerlichen Gesellschaft, die einerseits das tragische persönliche Schicksal des 1916 bei Verdun gefallenen Künstlers kannte und auf der anderen Seite die herausragende Qualität des Gemäldes schätzte. Franz Marcs Gemälde wurde 1913 atelierfrisch in der Berliner Galerie „Der Sturm“ vorgestellt und 1945 beziehungsweise 1948/49 angeblich dreimal in Berlin gesehen bevor es verschwand. Ein Meisterwerk des deutschen Expressionismus, das sich seit 1919 im Besitz der Berliner Nationalgalerie befand und bis 1936 im Kronprinzen-Palais Unter den Linden ausgestellt war, hat als „entartete Kunst“ den Zweiten Weltkrieg offenbar überlebt. Unabhängig voneinander haben drei Zeugen behauptet den Turm der blauen Pferde im Frühjahr 1945 am Leipziger Platz, im späteren Haus am Waldsee sowie 1948/49 im benachbarten Anwesen des ehemaligen Polizeipräsidenten von Berlin, dem heutigen Haus der Jugend, gesehen zu haben. Dieses Wiederauftauchen eines in der Weimarer Zeit hochpopulären Werkes wurde bis in die 1970er­Jahre von der Fachwelt weitgehend verschwiegen. Warum dies geschah, ist eine zentrale Frage, die die zeitgenössischen Künstler und Künstlerinnen in der Ausstellung VERMISST Der Turm der blauen Pferde von Franz Marc in Berlin neu stellen. In München liegt der Ausstellung der erhaltene Entwurf des Gemäldes in Form einer kolorierten Postkarte zu Grunde und die Frage, wie es zu dem Mythos um den Künstler und sein herausragendstes Werk kam.

In der Ausstellung im Berliner Haus am Waldsee geht es vor allem um den Verlust des Gemäldes, die Gerüchte um sein Verschwinden und das Schweigen der Nachkriegszeit. So denkt die Fotografien Johanna Diehl intensiv über dieses Schweigen nach, das sie anhand der eigenen Familiengeschichte wie durch einen trüben Schleier sichtbar macht. Andere erfinden neue Gerüchte um das Gemälde, die nach Amerika und in die Niederlande weisen (Marcel van Eeden), oder sie kopieren das Werk, um es zu beschädigen (Norbert Bisky). Es gibt Künstler, die sich dem Thema Verlust als Leerstelle widmen (Arturo Herrera, Christian Jankowski) oder sich mit dem Moment des Todes des Malers auseinandersetzen (Rémy Markowitsch, Birgit Brenner), der zum Mythos rund um das Bild beigetragen hat. Es geht um Staub, der auf die Geschichte gefallen ist, um Kontinuitäten von Weltanschauungen und um Schatten der Vergangenheit (Peter Rösel) oder um die Frage, was geschieht, wenn Der Turm der blauen Pferde sich plötzlich wieder zeigt (Via Lewandowsky). Eine Leuchtschrift im Freien erinnert daran, dass wir nie Gewissheit haben und alles immer auch ganz anders sein könnte (Tobias Rehberger). Ein literarischer Text von Julia Franck schließlich kreist um das Verhältnis zwischen Else Lasker-Schüler und dem Künstlerfreund Franz Marc. Das Gemälde Der Turm der blauen Pferde ist 1913 unter ihrem Einfluss entstanden. Ist er, wie die erhaltene Postkartenskizze von 1912 möglicherweise sogar für sie gemalt worden? Bei Martin Assig wird ein inniges religiöses Gespräch in Gang gesetzt. Er bedient sich der vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes, um seine Geschichte über das Gemälde zu erzählen und bis zum flehentlichen „Komm, komm, komm“ die Trauer über den Verlust zu steigern.

Im Münchner Ausstellungsteil, in der Heimatstadt des Blauen Reiters, bleibt auf Slawomir Elsners großformatiger Zeichnung Der Turm der blauen Pferde schemenhaft. Er entwickelt in seiner Unantastbarkeit ein motivisches Eigenleben. Bei Jana Gunstheimer steht die Frage im Raum, was bleibt, wenn ein Bild über die Zeit hinweg verschlissen wird, die Erinnerung verblasst und eine zweite verwandelte Existenz an seine Stelle tritt. Eine Raumcollage von Almut Hilf zeigt Ansichten historischer Ausstellungsorte - Münchener Secession, Berliner Kronprinzen­Palais und Münchner Hofgartenarkaden. Das Gemälde aber, das den Genius loci des jeweiligen Ortes mitbestimmte, bleibt ausgespart. Dass Bildmotive Konsumgüter vermeintlich bereichern und im weltweiten Netz ein Eigenleben führen, wird in einer Reinszenierung von Merchandising-Produkten untersucht (Viktoria Binschtok). Dem voraus geht der ehemals klassische analoge Konsum von Bildern, den Dieter Blum mit der Fotografie einer werbetafelgroßen Horde von Wildpferden in Erinnerung ruft. Martialische Implikationen, die im Turm der blauen Pferde aufscheinen, werden von Tatjana Doll und Thomas Kilpper untersucht, während Dierk Schmidt zeithistorische Verflechtungen rund um das als „entartet“ gebrandmarkte Werk aufdeckt.

Während von dem 200 mal 130 Zentimeter messenden Gemälde bis heute jede Spur fehlt, hat sich eine postkartengroße kolorierte Skizze erhalten, die Franz Marc kurz vor dem Jahreswechsel 1912/13 innerhalb Berlins an seine Dichterfreundin Else Lasker-Schüler schickte, um sich mit ihr zu verabreden. Diese Postkarte wurde 1919, drei Jahre nachdem Franz Marc bei Verdun gefallen war, durch Ludwig Justi für die Neue Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzen­Palais erworben. Sie gelangte zusammen mit 27 weiteren Postkartengrüßen an Lasker­Schüler, 1939 in die Sammlung Fohn und befindet sich seit den 1960er-Jahren als Depositum der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Nach den ersten Säuberungsaktionen der „entarteten Kunst“ in deutschen Museen blieb das Gemälde Der Turm der blauen Pferde noch bis Herbst 1936 im Kronprinzen­Palais öffentlich ausgestellt. Bertolt Brecht schrieb aus dem Exil: „Mir gefallen die blauen Pferde, die mehr Staub aufgewirbelt haben als die Pferde des Achilles. Und ich ärgere mich, wenn den Malern zugerufen wird, sie dürften Pferde nicht blau malen; darin kann ich kein Verbrechen sehen. Die Gesellschaft wird diese kleine Entstellung der Wirklichkeit verschmerzen.“ 1928 zierte das berühmte Bild die Vorsatzseite des Kinderbuchs Der deutschen Jugend neues Wunderhorn, das Eingang in viele Jugendzimmer fand. Im Herbst 1936 wurde das Kronprinzen-Palais für die Öffentlichkeit geschlossen. Und obwohl Der Turm der blauen Pferde im Juli 1937 in der Ausstellung Entartete Kunst in den Münchner Hofgartenarkaden zur Schau gestellt und angeprangert wurde, wurde das Gemälde im aktualisierten Brockhaus von 1937 noch farbig abgebildet. Nach Protesten des deutschen Offiziersbundes gegen die Diffamierung eines für das Vaterland gefallenen Leutnants wurde es auf Anordnung Adolf Hitlers bereits nach einer Woche aus der Schandausstellung entfernt und in ein zentrales Lager an der Köpenicker Straße nach Berlin verbracht. Zu Beginn des Jahres 1938 ließ Hermann Göring, in Absprache mit Adolf Hitler und Joseph Goebbels, in heimlicher Aktion dreizehn Gemälde der klassischen Moderne aus dem Bestand der „entarteten Kunst“ für Geschäfte des Preußischen Ministerpräsidenten beiseite schaffen. Darunter befand sich auch Der Turm der blauen Pferde. Görings Kunstagent, der Teppichhändler Josef Angerer, sollte das Bild gegen Devisen ins Ausland verkaufen, was ihm offenbar nicht gelang. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gerieten die Gemälde in den Hintergrund. Über den Verbleib des Turmes der blauen Pferde wird seither spekuliert. Das Bild sei, so heißt es, im Keller der Dienstvilla von Hermann Göring am Leipziger Platz in Berlin gelagert worden oder habe im Preußischen Staatsministerium beziehungsweise in Carinhall gehangen. Glaubwürdig überliefert ist nur, dass es in den ersten Nachkriegstagen unweit des Amtsbereichs von Hermann Göring am Leipziger Platz gesehen und vermutlich durch russische Offiziere in die Argentinische Allee 30, das heutige Haus am Waldsee, in Sicherheit gebracht wurde. Als dort im Januar 1946 ein regelmäßiger Ausstellungsbetrieb einsetzte, transportierte man es vermutlich ins Nachbarhaus, von wo es 1949 verschwand. Bis heute gilt Der Turm der blauen Pferde als verschollen.

Der Turm der blauen Pferde gilt als eines der Hauptwerke des deutschen Expressionismus und als zentrales Werk des Blauen Reiters. Schnell machte das Gemälde mit seinen dramatisch gestaffelten, blau durchleuchtenden Pferdeleibern Karriere. Während der Weimarer Republik avancierte es zu einer Art Kultbild einer aufgeschlossenen bürgerlichen Gesellschaft, die einerseits das tragische persönliche Schicksal des 1916 bei Verdun gefallenen Künstlers kannte und auf der anderen Seite die herausragende Qualität des Gemäldes schätzte. Franz Marcs Gemälde wurde 1913 atelierfrisch in der Berliner Galerie „Der Sturm“ vorgestellt und 1945 beziehungsweise 1948/49 angeblich dreimal in Berlin gesehen bevor es verschwand. Ein Meisterwerk des deutschen Expressionismus, das sich seit 1919 im Besitz der Berliner Nationalgalerie befand und bis 1936 im Kronprinzen-Palais Unter den Linden ausgestellt war, hat als „entartete Kunst“ den Zweiten Weltkrieg offenbar überlebt. Unabhängig voneinander haben drei Zeugen behauptet den Turm der blauen Pferde im Frühjahr 1945 am Leipziger Platz, im späteren Haus am Waldsee sowie 1948/49 im benachbarten Anwesen des ehemaligen Polizeipräsidenten von Berlin, dem heutigen Haus der Jugend, gesehen zu haben. Dieses Wiederauftauchen eines in der Weimarer Zeit hochpopulären Werkes wurde bis in die 1970er­Jahre von der Fachwelt weitgehend verschwiegen. Warum dies geschah, ist eine zentrale Frage, die die zeitgenössischen Künstler und Künstlerinnen in der Ausstellung VERMISST Der Turm der blauen Pferde von Franz Marc in Berlin neu stellen. In München liegt der Ausstellung der erhaltene Entwurf des Gemäldes in Form einer kolorierten Postkarte zu Grunde und die Frage, wie es zu dem Mythos um den Künstler und sein herausragendstes Werk kam.

In der Ausstellung im Berliner Haus am Waldsee geht es vor allem um den Verlust des Gemäldes, die Gerüchte um sein Verschwinden und das Schweigen der Nachkriegszeit. So denkt die Fotografien Johanna Diehl intensiv über dieses Schweigen nach, das sie anhand der eigenen Familiengeschichte wie durch einen trüben Schleier sichtbar macht. Andere erfinden neue Gerüchte um das Gemälde, die nach Amerika und in die Niederlande weisen (Marcel van Eeden), oder sie kopieren das Werk, um es zu beschädigen (Norbert Bisky). Es gibt Künstler, die sich dem Thema Verlust als Leerstelle widmen (Arturo Herrera, Christian Jankowski) oder sich mit dem Moment des Todes des Malers auseinandersetzen (Rémy Markowitsch, Birgit Brenner), der zum Mythos rund um das Bild beigetragen hat. Es geht um Staub, der auf die Geschichte gefallen ist, um Kontinuitäten von Weltanschauungen und um Schatten der Vergangenheit (Peter Rösel) oder um die Frage, was geschieht, wenn Der Turm der blauen Pferde sich plötzlich wieder zeigt (Via Lewandowsky). Eine Leuchtschrift im Freien erinnert daran, dass wir nie Gewissheit haben und alles immer auch ganz anders sein könnte (Tobias Rehberger). Ein literarischer Text von Julia Franck schließlich kreist um das Verhältnis zwischen Else Lasker-Schüler und dem Künstlerfreund Franz Marc. Das Gemälde Der Turm der blauen Pferde ist 1913 unter ihrem Einfluss entstanden. Ist er, wie die erhaltene Postkartenskizze von 1912 möglicherweise sogar für sie gemalt worden? Bei Martin Assig wird ein inniges religiöses Gespräch in Gang gesetzt. Er bedient sich der vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes, um seine Geschichte über das Gemälde zu erzählen und bis zum flehentlichen „Komm, komm, komm“ die Trauer über den Verlust zu steigern.

Im Münchner Ausstellungsteil, in der Heimatstadt des Blauen Reiters, bleibt auf Slawomir Elsners großformatiger Zeichnung Der Turm der blauen Pferde schemenhaft. Er entwickelt in seiner Unantastbarkeit ein motivisches Eigenleben. Bei Jana Gunstheimer steht die Frage im Raum, was bleibt, wenn ein Bild über die Zeit hinweg verschlissen wird, die Erinnerung verblasst und eine zweite verwandelte Existenz an seine Stelle tritt. Eine Raumcollage von Almut Hilf zeigt Ansichten historischer Ausstellungsorte - Münchener Secession, Berliner Kronprinzen­Palais und Münchner Hofgartenarkaden. Das Gemälde aber, das den Genius loci des jeweiligen Ortes mitbestimmte, bleibt ausgespart. Dass Bildmotive Konsumgüter vermeintlich bereichern und im weltweiten Netz ein Eigenleben führen, wird in einer Reinszenierung von Merchandising-Produkten untersucht (Viktoria Binschtok). Dem voraus geht der ehemals klassische analoge Konsum von Bildern, den Dieter Blum mit der Fotografie einer werbetafelgroßen Horde von Wildpferden in Erinnerung ruft. Martialische Implikationen, die im Turm der blauen Pferde aufscheinen, werden von Tatjana Doll und Thomas Kilpper untersucht, während Dierk Schmidt zeithistorische Verflechtungen rund um das als „entartet“ gebrandmarkte Werk aufdeckt.

Während von dem 200 mal 130 Zentimeter messenden Gemälde bis heute jede Spur fehlt, hat sich eine postkartengroße kolorierte Skizze erhalten, die Franz Marc kurz vor dem Jahreswechsel 1912/13 innerhalb Berlins an seine Dichterfreundin Else Lasker-Schüler schickte, um sich mit ihr zu verabreden. Diese Postkarte wurde 1919, drei Jahre nachdem Franz Marc bei Verdun gefallen war, durch Ludwig Justi für die Neue Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzen­Palais erworben. Sie gelangte zusammen mit 27 weiteren Postkartengrüßen an Lasker­Schüler, 1939 in die Sammlung Fohn und befindet sich seit den 1960er-Jahren als Depositum der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Nach den ersten Säuberungsaktionen der „entarteten Kunst“ in deutschen Museen blieb das Gemälde Der Turm der blauen Pferde noch bis Herbst 1936 im Kronprinzen­Palais öffentlich ausgestellt. Bertolt Brecht schrieb aus dem Exil: „Mir gefallen die blauen Pferde, die mehr Staub aufgewirbelt haben als die Pferde des Achilles. Und ich ärgere mich, wenn den Malern zugerufen wird, sie dürften Pferde nicht blau malen; darin kann ich kein Verbrechen sehen. Die Gesellschaft wird diese kleine Entstellung der Wirklichkeit verschmerzen.“ 1928 zierte das berühmte Bild die Vorsatzseite des Kinderbuchs Der deutschen Jugend neues Wunderhorn, das Eingang in viele Jugendzimmer fand. Im Herbst 1936 wurde das Kronprinzen-Palais für die Öffentlichkeit geschlossen. Und obwohl Der Turm der blauen Pferde im Juli 1937 in der Ausstellung Entartete Kunst in den Münchner Hofgartenarkaden zur Schau gestellt und angeprangert wurde, wurde das Gemälde im aktualisierten Brockhaus von 1937 noch farbig abgebildet. Nach Protesten des deutschen Offiziersbundes gegen die Diffamierung eines für das Vaterland gefallenen Leutnants wurde es auf Anordnung Adolf Hitlers bereits nach einer Woche aus der Schandausstellung entfernt und in ein zentrales Lager an der Köpenicker Straße nach Berlin verbracht. Zu Beginn des Jahres 1938 ließ Hermann Göring, in Absprache mit Adolf Hitler und Joseph Goebbels, in heimlicher Aktion dreizehn Gemälde der klassischen Moderne aus dem Bestand der „entarteten Kunst“ für Geschäfte des Preußischen Ministerpräsidenten beiseite schaffen. Darunter befand sich auch Der Turm der blauen Pferde. Görings Kunstagent, der Teppichhändler Josef Angerer, sollte das Bild gegen Devisen ins Ausland verkaufen, was ihm offenbar nicht gelang. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gerieten die Gemälde in den Hintergrund. Über den Verbleib des Turmes der blauen Pferde wird seither spekuliert. Das Bild sei, so heißt es, im Keller der Dienstvilla von Hermann Göring am Leipziger Platz in Berlin gelagert worden oder habe im Preußischen Staatsministerium beziehungsweise in Carinhall gehangen. Glaubwürdig überliefert ist nur, dass es in den ersten Nachkriegstagen unweit des Amtsbereichs von Hermann Göring am Leipziger Platz gesehen und vermutlich durch russische Offiziere in die Argentinische Allee 30, das heutige Haus am Waldsee, in Sicherheit gebracht wurde. Als dort im Januar 1946 ein regelmäßiger Ausstellungsbetrieb einsetzte, transportierte man es vermutlich ins Nachbarhaus, von wo es 1949 verschwand. Bis heute gilt Der Turm der blauen Pferde als verschollen.

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