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Magier der Formen und Medien

Baden-Baden - Sigmar Polke (geb. am 13. Februar 1941 in Oels, Niederschlesien; gest. am 10. Juni 2010 in Köln) war ein deutscher Maler und Fotograf. In frühen Arbeiten reflektierte der von der amerikanischen Pop Art inspirierte Polke die Konsumkultur der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Mit seinen Raster- und Stoffbildern entwickelte er einen völlig eigenen Bilderkosmos, der sich konsequent stilistischen Kategorisierungen entzieht. Seine Haltung zur Malerei enthält stark ironische Elemente. Polke nahm mehrmals an der documenta teil (1972, 1977 und 1982). 1986 bespielte er den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Der Künstler erhielt zahlreiche international bedeutende Preise, so den Preis für Malerei auf der XIII. Biennale von São Paulo (1975), den Golden Löwen der Biennale Venedig für sein Lebenswerk (1986), den Goslarer Kaiserring (2000), den Praemium Imperiale in Tokio (2002) und den Rubenspreis der Stadt Siegen (2007).

Sigmar Polke: Dürer Hase, 1968
© The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst Bonn 2017
Sigmar Polke: Lieber Eberhard! Damit dem Kunibert das Licht leuchtet voran, 2000/01
© The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst Bonn 2017
Sigmar Polke: Nach Altdorfer, 1986
© The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst Bonn 2017
Er war ein Magier der Formen und Medien und zugleich ein Zyniker im Verhältnis zur Realität: In seinen vielschichtigen Bildern werden malerische Momente und zeichnerische Elemente, Stoffe und Muster, Fotos und Raster geschichtet, collagiert und kontrastiert, während seine Bildwelten zugleich unsere sozialen und politischen Lebenswelten kritisch reflektieren - seine Ironie war bissig und böse. Nicht selten liegt ein feines Lineament über der Bildfläche, das den Dimensionen von Fläche und Raum eine weitere hinzufügt. Die Linie verbindet, versöhnt und überhöht, aber sie streicht auch, tilgt und ändert.

Heute zählt der 2010 verstorbene Sigmar Polke zweifellos zu den größten Bild-Erfindern und bedeutendsten deutschen Künstlern der letzten Dekaden. Unter dem Motto „Alchemie und Arabeske“ fokussiert die Ausstellung im Museum Frieder Burda die „geheimnisvollen Gründe“ (für) seine(r) Malerei und die dazu elegant kontrastierenden Liniengebilde. Hochkarätige Leihgaben aus dem Nachlass des Künstlers, internationalen Sammlungen und Museen ergänzen dazu die zahlreichen Exponate aus der Sammlung Frieder Burda, die schon sehr früh das Werk Sigmar Polkes als einer ihrer Schwerpunkte entdeckt hat.

Kurator Helmut Friedel über das von ihm entwickelte Konzept der über 100 Werke umfassenden Ausstellung: „Die Linie, das heißt die Zeichnung, verbindet sich nicht einmal mit der Malfläche, sondern führt nicht selten ein fragiles Eigenleben in leichtem Abstand über ihr. Sigmar Polke muss diesen Zustand des Schwebenden, Unvollendeten, Reversiblen, des Möglichen geliebt haben, da er in seinem Werk in unterschiedlicher Gestalt beinahe wie ein Leitmotiv ständig wiederkehrt. Indem wir die Arabeske in den Fokus nehmen, schaffen wir noch einmal einen ebenso aufschlussreichen wie spannenden Zugang zum Werk Polkes.“ Und Frieder Burda dazu: „Neben Gerhard Richter gehört Sigmar Polke sicherlich zu den zentralen Figuren meiner Sammlung. Daher freut es mich besonders, zehn Jahre nach unserer Retrospektive diesem wunderbaren und inzwischen leider verstorbenen Künstler wieder eine Ausstellung zu widmen.“ Und weiter: „Sigmar Polke war ein handwerklich exzellenter Künstler, ein guter Maler und bemerkenswerter Zeichner. Sein Witz und seine hintergründige Ironie, sein Ideenreichtum und seine Fähigkeit, sich selbst auf den Arm zu nehmen, waren einmalig. Aber es sind wohl vor allem seine kindliche Neugier, seine Lust am Experiment, die mich faszinieren und die wir in den Fokus unserer Ausstellung stellen möchten. Als bester Kenner des Polkeschen Werkes folgt Helmut Friedel den geschwungenen Linien und Arabesken in die Tiefen und Abgründe seiner Bilder und eröffnet so noch einmal einen interessanten Blickwinkel auf sein Schaffen.“ Und weiter: „Sigmar Polke war ein handwerklich exzellenter Künstler, ein guter Maler und bemerkenswerter Zeichner. Sein Witz und seine hintergründige Ironie, sein Ideenreichtum und seine Fähigkeit, sich selbst auf den Arm zu nehmen, waren einmalig. Aber es sind wohl vor allem seine kindliche Neugier, seine Lust am Experiment, die mich faszinieren und die wir in den Fokus unserer Ausstellung stellen möchten. Als bester Kenner des Polkeschen Werkes folgt Helmut Friedel den geschwungenen Linien und Arabesken in die Tiefen und Abgründe seiner Bilder und eröffnet so noch einmal einen interessanten Blickwinkel auf sein Schaffen.“

Die Linien in den Bildern Polkes werden auf recht unterschiedliche Art „gewonnen“: Durch Klebebänder, durch Bildvorlagen, durch Farbverläufe oder durch Übernahme herrlicher Arabesken Dürers oder Altdorfers. Die belebten Malgründe entstehen durch die Wahl des Materials wie Stoffe, Folien, Raster oder auch durch „zauberhafte“ chemische Prozesse der Vermengung unterschiedlicher Chemikalien, Lacke oder auch Pflanzensäfte. Gegensätze wie „gewollt“ oder eher „zufällig“ durchdringen und überlagern sich ständig, wobei nie eindeutig entschieden ist, woher die bestimmende Kraft rührt. So stehen die Stoff- und Lackbilder den linearen Darstellungen - den Handlinien, Schönheitslinien und Schleifenbildern - sich umarmend gegenüber.
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