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Anachronistisches Phänomen

Hamburg - Mit einer großen Ausstellung widmet sich die Hamburger Kunsthalle erstmalig einem ebenso universalen wie vielfältigen, aber auch gesellschaftlich brisanten und hochaktuellen Thema: WARTEN. Zwischen Macht und Möglichkeit. In der Galerie der Gegenwart sowie an verschiedenen Orten innerhalb und außerhalb des Museums werden Arbeiten von 23 internationalen Künstlern präsentiert.

Duane Hanson: Hoemeless Person, 1991
© Duane Hanson
Elmgreen & Dragset: The Wait, 2013
© Courtesy of Galleri Nicolai Wallner, Foto: Anders Sune Berg
In Fortsetzung der Ausstellung Besser Scheitern (2013), die auf breites Interesse stieß und international Beachtung fand, nähert sich die Kunsthalle einem anachronistischen Phänomen unserer beschleunigten, auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung angelegten Gesellschaft. Warten ist unerfreulich, aufreibend und kostspielig. Es legt Machtverteilungen innerhalb sozialer Systeme offen und wird zum Indikator von Status und Position: Bevorzugter Zugang an Erste-Klasse-Schaltern oder verkürzte Wartezeiten für Privatversicherte einerseits und lange Wartezeiten bei Asyl-Antragsverfahren andererseits machen dies exemplarisch deutlich. Privilegierte und Menschen mit Macht warten nicht; sie lassen warten.

Geduld und Langmut geraten in unserer heutigen Zeit, in der alles jederzeit und überall verfügbar erscheint, vermehrt aus dem Blick. Pausenfüllender Konsum und der minütliche Kontrollblick aufs Smartphone vertreiben das Warten und damit auch eine mögliche Zeit der Reflexion und des Bei-Sich-Seins. Die Fähigkeit, abzuwarten und zukunftsorientiert zu handeln, ist eine Kulturleistung, die uns - wie die berühmten Marshmallow-Experimente der 1970er Jahre in Langzeitstudien zeigten - zu einem selbstbewussten, erfolgreichen und sozial kompetenten Leben befähigt.

Künstler können vom Warten als einem Moment des Innehaltens und des Leerlaufs als der Voraussetzung für jede Form der Kreativität besonders eindrücklich erzählen. In der Ausstellung WARTEN zeigen Künstler von Vajiko Chachkhiani und David Claerbout bis hin zu Ursula Schulz-Dornburg und Tobias Zielony, wie facettenreich sie sich diesem Thema in Performances, Skulpturen, Fotografien, Filmen und Installationen widmen. Die eindrücklichen Arbeiten sind teils direkt den Ateliers der Künstler entliehen oder speziell für die Ausstellung entstanden. Das breite Spektrum an künstlerischen Positionen bietet darüber hinaus Platz für neue, nicht erwartbare Rezeptionserfahrungen.

Beteiligte Künstler: Vajiko Chachkhiani, David Claerbout, Andrea Diefenbach, Elmgreen & Dragset, Jakob Engel, Ceal Floyer, Paul Graham, Andreas Gursky, Duane Hanson, Jiří Kovanda, Jochen Kuhn, Zwelethu Mthethwa, Bruce Nauman, Roman Ondak, Tobias Rehberger, Michael Sailstorfer, Txema Salvans, Philip Scheffner / Merle Kröger, Ursula Schulz-Dornburg, Aleen Solari, Rayyane Tabet, Jens Ullrich, Tobias Zielony.

Ein ausführliches Programm aus Performances, Künstlergesprächen, Kuratorenführungen, Lesungen, Vorträgen, Filmabenden und einem „Runden Tisch“ mit Vertretern verschiedener Disziplinen (Soziologie, Entwicklungspsychologie, Flüchtlingshilfe, Religionswissenschaft, Theater) begleiten die Ausstellung in Kooperation mit anderen kulturellen Einrichtungen der Stadt, wie dem Warburg-Haus, dem Abaton Kino, dem Metropolis Kino u.a.
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