![]() |
|||||||||||
|
|
||||||||||
|
|||||||||||
|
- Wy I Never Became a Dancer
29.9.2011-1.4.2012 im Haus der Kunst München - |
|||||||||||
|
Verhaltensmuster von Jugendlichen München „Jede Generation hat ihre eigene Kultfigur, ihre eigene Sprache, ihre eigene Musik und ihre eigene Mode und Ausdrucksweise. Bis sie sich gefunden hat, wird alles ausprobiert: von einem bestimmten Lebensstil über Drogen bis hin zur virtuellen Welt des Internets. Das möchte ich hier gerne zum Ausdruck bringen.“ (Ingvild Goetz) Die Ausstellung „Why I Never Became a Dancer“ präsentiert 15 Videoarbeiten internationaler Künstler, die sich mit dem Thema Jugend auseinander setzen: Sie untersuchen soziale Verhaltensmuster von Jugendlichen auf gesellschaftlicher und privater Ebene. Dabei steht nicht nur die heutige Generation im Fokus, sondern auch die Jugendkultur der vergangenen 30 Jahre.
Cao Fei: RMB City Opera, 2010 Familienleben und Kindheit Persönliche Berichte von Kindern über Alltagssituationen, aber auch von Sorgen, Einsamkeit und Verletzungen vermittelt Gillian Wearing. Die Inszenierung verwirrt zunächst, da erwachsene Personen ihre Lippen synchron zu den Kinderstimmen bewegen und deren Körpersprache nachahmen. Wie in einem Spiegel wird dem Betrachter vorgehalten, welche kindlichen Verhaltensweisen er selbst im Laufe der Jahre abgelegt hat. Das Gesagte, die Traumata und Verletzungen scheinen nun aus den Erwachsenen hervorzubrechen. Ein Mann, in dem ein Junge steckt, berichtet von seinen Alkoholproblemen: „I feel like I'm a man in a boy's body and I like drinking ...“. Die Lebenswelt eines kleinen Mädchens verbildlicht Doug Aitken. Dabei wechseln sich Bilder von Kinderspielen mit Bildern eines Geisterautos, eines Flugzeuges am Himmel oder die Fahrt eines Trucks mit einem mobilen Haus ab. Das Mädchen flüstert eindringlich wiederholend: „You can’t stop“. Und vermittelt das Gefühl, dass die Zeit läuft - rennt - dass die Kindheit oder das gesamte Leben nur ein kurzer Moment sind. In der Erinnerung bleiben nur kurze, einander jagende Sequenzen haften. Scheinbar ein ganzes Familienleben rafft Rosemarie Trockel in ihrer 14-minütigen Videoinstallation zusammen: Abfolgen von Fotografien und bewegten Szenen zeigen immer wieder dieselben Kinder und Erwachsenen bei Alltagsszenen, Urlaubssituationen, Freizeitaktivitäten. Gemein ist den Protagonisten, dass sie alle von Rosemarie Trockel selbst gestrickte Kleidung tragen. Der Betrachter reist durch die Strick-Bilderwelten der Künstlerin und versucht unwillkürlich, daraus eine Handlung - ein Familienleben - zu stricken. Doch alle gefilmten Personen sind Freunde und Bekannte der Künstlerin, und das Video entstand in nur einem Monat. Soziale Verhaltensweisen Martin Brand und Tobias Zielony veranschaulichen das Verhalten Jugendlicher Randgruppen: Martin Brand begleitet in „Station“ eine Gruppe linker Jugendlicher durch ihren Alltag in Bochum. Dabei bewertet er nicht, sondern beobachtet zurückhaltend. Er schafft Raum für Vertrautheit, in der die Jugendlichen sowohl ihre Zugehörigkeiten als auch Verwirrungen - die Übergangsphase zum Erwachsenwerden - frei offenbaren. Tobias Zielonys Diaprojektion „Behind the Block“ zeigt Ausschnitte der Lebenswelt von Jugendlichen in sozialen Brennpunkten von zum Beispiel Marseille. Die Videoarbeiten von Beat Streuli und Nina Könnemann geben alltägliches Straßengeschehen wieder: Jugendliche treffen sich, kommen und gehen. Beat Streuli lenkt den Fokus auf das scheinbar Unscheinbare, auf alltäglich zu beobachtende Situationen und Verhaltensweisen. Nina Könnemann hält Szenen einer Silvesternacht an der Hafenpromenade von Blackpool, England, fest: Nach den Feiern machen sich die meist angetrunkenen Frauen in Partyoutfit auf die Suche nach einem Taxi. Die Szenen und Verhaltensweisen sind jedem aus Beobachtungen oder persönlicher Erfahrung bekannt.
Rosemarie Trockel: Yvonne, 1997 Medien- und Videowelt Ryan Trecartins „Valentine’s Day Girl“ beleuchtet den Hype, den es bei Jugendlichen um den Valentinstag gibt: Eine junge Frau hat sich ganz der Konsumwelt, die für den Valentinstag angeboten wird, verschrieben und sich und ihre Wohnung mit Herzen, Luftballons, Glitter und Lametta dekoriert. Man spürt ihre emotionale Verbindung zu dieser selbst geschaffenen Welt. In öffentlichen Spielhallen filmt Andrea Bowers Jugendliche beim Videospiel Dance Dance Revolution. Die Jugendlichen sind junge US-amerikanische Zuwanderer in erster Generation. Auch Cao Fei und Mark Leckey bewegen sich in die Computerspiele- und Tanzvideowelt. Mark Leckey zeigt in Sequenzen, die an ein Musikvideo erinnern, die Tanzentwicklung von den Northern-Soul-Tänzen der 1970er Jahre bis hin zu den Raves der 1990er Jahre und wie sich mit den Tänzen auch die Verhaltensweisen der Jugendlichen ändern. „Why I Never Became a Dancer“ ist die zweite Ausstellung der Kooperation zwischen Sammlung Goetz und Haus der Kunst. In den kabinettartigen Räumen des Luftschutzkellers im Haus der Kunst zeigt Ingvild Goetz bis 2014 regelmäßig eine Auswahl aus ihrer Sammlung von Film- und Medienkunst. Mit Doug Aitken (i am in you [linear version], 2000), Andrea Bowers (Democracy's Body - Dance Dance Revolution, 2001), Martin Brand (Station, 2004), Cao Fei (RMB City Opera, 2010). Rineke Dijkstra (The Buzzclub, Liverpool, UK / Mysteryworld, Zaandam, NL, 1996/97), Tracey Emin (Why I Never Became a Dancer, 1995), Nina Könnemann (Pleasure Beach, 2001), Mark Leckey (Fiorucci Made me Hardcore, 1999 / LondonAtella, 2002), Paul Pfeiffer (Live from Neverland, 2006), Beat Streuli (Allen Street II 5-29-94, 1994), Ryan Trecartin (Valentine's Day Girl, 2001), Rosemarie Trockel (Yvonne, 1997), Gillian Wearing (10 - 16, 1997), Tobias Zielony (Behind the Block, 2004). |
|||||||||||
|
- Die Kunst der Entschleunigung
12.11.2011-9.4.2012 im Kunstmuseum Wolfsburg - |
|||||||||||
|
Dialektik von Bewegung und Ruhe Wolfsburg Die Geschichte der Moderne erscheint zunächst vor allem als eine Geschichte der Beschleunigung. Die Entwicklung immer schnellerer Transportmittel, kürzerer und weiter reichender Kommunikationswege und optimierter Produktionsverfahren haben das Lebenstempo seit dem 19. Jahrhundert kontinuierlich erhöht - bis hin zum „rasenden Stillstand“ (Paul Virilio). Eine sichtbare Spitze dieser Entwicklung war auch immer die Kunst, die als Avantgarde selbst das Rad mit ihren Erfindungen und Expansionen in Schwung gehalten hat - vom Impressionismus über den Futurismus, den abstrakten Expressionismus bis zur kinetischen Kunst der 1950er Jahre und zur Medienkunst.
Gerhard Richter: Zwei Fiat, 1964 Wenig beachtet wurde bisher aber, dass mit der Faszination für die entfesselte Bewegung von Anfang an stets auch die Suche nach Entschleunigung verbunden war. Bereits um 1900 sprach man vom „Zeitalter der Nervosität“. Heute, im Zeitalter der Globalisierung, des Turbokapitalismus und des Internets, welches unser Gefühl von Zeitknappheit, Zersplitterung und Ausgebranntsein beschleunigt, wächst nicht nur das Bedürfnis nach Entschleunigung (nach Entspannungstechniken, slow-food oder slow-communication), sondern auch die Einsicht, dass Fortschritt von der Bindung an die Beschleunigung entkoppelt werden sollte: Um weiter zu kommen, müssen wir entschleunigen! Kein Bereich versinnlicht diese Dialektik von Bewegung und Ruhe besser als die moderne Kunst: Zur gleichen Zeit, als die italienischen Futuristen um 1909 in glühenden Manifesten und flammenden Gemälden die Geschwindigkeit verherrlichten, erfand deren Landsmann Giorgio De Chirico die stille Welt der Pittura metafisica. Erstmals geht das Kunstmuseum Wolfsburg dieser Dialektik der Moderne in einer umfassenden Ausstellung nach. Mit einer akzentuierten Werkauswahl werden die beiden Themenfelder „kontrapunktisch“ erfahrbar gemacht. Die Idee der Bewegung oder Beschleunigung findet ihre vielgestaltige Umsetzung in Werken von Künstlern wie William Turner, Auguste Rodin, Marcel Duchamp oder Robert Delaunay, von Futuristen wie Giacomo Balla, Kinetikern wie Jean Tinguely, Zero-Künstlern wie Günther Uecker sowie bei zeitgenössischen Künstlern wie Panamarenko, Nam June Paik, Christian Marclay und Bruce Nauman. Das stille Gegengewicht bilden die Landschaften Caspar David Friedrichs, die fantastischen Welten von Odilon Redon und Max Ernst, die Malerei eines Giorgio Morandi und eines Mark Rothko, Mario Merz als Vertreter der Arte Povera bis hin zur filmischen Verlangsamung bei Bill Viola und Douglas Gordon.
Jonathan Schipper: The Slow Inevitable Death of American Muscle, 2007/08 Hoch aktuell reflektieren zeitgenössische Künstler spezifische Phänomene: Die Digitalisierung und das Internet führten zu einem Quantensprung in der globalen Kommunikationskultur. Die (vorletzte) Finanzkrise wird vielfach als Folge der neuen Geschwindigkeit der Informationsübermittlung gedeutet. Julius Popp ästhetisiert die Beschleunigung der Kommunikation in der dot.com-Generation. Kris Martin thematisiert die Sinnsuche der orientierungslos gewordenen Jet-Setter. Ein besonderes Kapitel widmet sich dem Umgang mit Geld mit Arbeiten von Aernout Mik, Andreas Gursky oder Ai Weiwei. Das beschleunigte Wachstum von Bevölkerung und Städten ist ein weiteres Thema. Der Fotograf George Osodi hält die Widersprüche von verschiedensten Entwicklungsgeschwindigkeiten in der fast 10-Millionen-Einwohnerstadt Lagos fest. Dagegen projizieren Anselm Kiefers Riesen-Gemälde die Vision einer menschenleeren, mythischen Ewigkeit in die Zukunft. Jeppe Hein führt die Tradition der kinetischen Kunst (Tinguely) in Interaktivität mit dem Besucher fort. Jonathan Schipper dehnt die Zerstörung einer Mobilitätsikone quälend lange aus.
Nam June Paik: TV-Budda, 1997 Anhand der Kunst verdichtet die Ausstellung ein Thema, das den Nerv der Gesellschaft trifft und fokussiert mit den polaren Begriffen Beschleunigung/Entschleunigung zahlreiche aktuelle Probleme wie Zeitkrise, Finanzkrise, Umweltkatastrophen, Kontrollverlust, Gegenwartsschrumpfung (Lübbe), Tempovirus Internet, Stress- und Burnoutsyndrome. Dabei kann es aber nicht um oppositionelle Lösungsversuche gehen. Was fehlt ist, wie der Soziologe Hartmut Rosa sagt, „ein neues Konzept von Fortschritt und einem gelingenden Leben“ - Fortschritt, der nicht Langsamkeit gegen Geschwindigkeit ausspielt. Hierbei hilft zu erkennen, dass die Geschichte der Moderne immer auch eine Geschichte komplementärer Tendenzen von Be- und Entschleunigung war.
So verdichtet und öffnet das Kunstmuseum Wolfsburg das Thema zugleich, indem es sich selbst als Ort der Entschleunigung zur Verfügung stellt und Raum und Zeit anbietet für Reflexion - Reflexionszeit, die in unserer Gesellschaft zunehmend fehlt. Die Katalogpublikation und ein differenziertes Rahmenprogramm bilden kunstübergreifend die Plattform für die immer dringlicher werdende Diskussion um das gesellschaftliche und individuelle Bedürfnis nach Entschleunigung - aus philosophischer, psychologischer, soziologischer, technologischer und neurowissenschaftlicher Sicht. |
|||||||||||
|
- Waldeslust. Bäume und Wald in Bildern und Skulpturen
7.11.2011-15.4.2012 in der Kunsthalle Würth Schwäbisch Hall - |
|||||||||||
|
Künstlerische Behauptungen zum Mythos Wald Schwäbisch Hall Um die ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Bedeutung des Waldes zu würdigen, erklärte die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) das Jahr 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder. Auch die Kunsthalle Würth setzt sich in ihrer Ausstellung „Waldeslust“ mit den vielfältigen kulturellen und künstlerischen Aspekten des (deutschen) Natur- und Waldbewusstseins auseinander. Denn die künstlerischen Darstellungen des Waldes spiegeln im Laufe der Jahrhunderte sowohl das von radikalen Wandlungen als auch das von modebedingten Schwankungen unterworfene Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt deutlich wider.
Joan Costa: Weißer Wald, 2006 Beherrschte viele nachchristliche Jahrhunderte lang das Bild einer Natur, die als kosmisches Ordnungsgefüge Gültigkeit forderte und damit für den Menschen Gesetzmäßigkeit und Verbindlichkeit bereit hielt (Schöpfungsmythos / Baum der Erkenntnis) die künstlerischen Vorstellungen, so reicht der Mythos vom Deutschen Wald und der daraus geformten bildhaften Vorstellungen noch weiter zurück, bis hin zum altrömischen Historiker und Ethnografen Tacitus. Dieser berichtete von riesigen Urwäldern im germanischen Norden und von der rätselhaften Furcht der Bewohner „Germaniens“ vor dem Betreten bestimmter geheimnisvoller Waldbezirke (Cranach: Familie der Naturmenschen). Noch von den Romantikern um Jacob Grimm wurden Tacitus’ Berichte als historische Quelle ernst genommen und bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts von Germanisten, Volkskundlern und besonders von Lehrern der unterschiedlichen Schularten als historische Tatsache vermittelt. Damit wurde „Germania“ zum fest verankerten, jedoch der beständigen Interpretation anheim gestellten Ursprungsmythos der Deutschen. Ihnen galt er als magischer Ort, an dem Geister und Faune spuken und der Mensch den Göttern nahe ist. Unter den Nationalsozialisten konnte er so zum germanischen Hain mutieren.
Ernst Ludwig Kirchner: Waldinneres mit rosa Vordergrund, 1913/20 Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, von der Idee des Seelenhains gründlich desillusioniert, stutzte man den Wald dann auf rein rationales Maß - zum nützlichen Holzlieferanten zurück. Bis Mitte der 1970er Jahre das Waldsterben ausgemacht wurde, das sowohl als Begriff als auch als Bild in anderen europäische Ländern und Sprachen Einzug hielt. Doch nicht nur Waldsterben, auch Begriffe und Redewendungen wie „aus gutem Holz geschnitzt sein“, „ein stämmiger Bursche“, „der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ oder auch „mit etwas verwurzelt sein“ zeigt den hohen Identifikationsgrad mit dem Baumbestand der heimischen Wälder. Und tatsächlich scheint in keinem modernen Land der Welt das Waldgefühl so lebendig geblieben zu sein, wie in Deutschland. „Das Rigide und Parallele der aufrecht stehenden Bäume, ihre Dichte und ihre Zahl“, so lesen wir etwa bei Canetti, „erfüllt das Herz des Deutschen mit tiefer und geheimnisvoller Freude.“
So gilt der postmoderne Wald dem einen heute als künstlerischen Prägegrund für Erinnerung (Baselitz), dem anderen hingegen als Ort der Spurensicherung menschlicher oder spiritueller Existenz. Mit rund 150 markanten künstlerischen Positionen zum Wald aus der Sammlung Würth (von Cranach bis Hockney) folgt die Ausstellung den sich immer wieder neu erfindenden künstlerischen Behauptungen zum Mythos Wald. |
|||||||||||
|
- Asche und Gold - Eine Weltenreise
28.1.-22.4.2012 im Marta Herford - |
|||||||||||
|
Materialien von großer symbolischer Kraft Herford Zum ersten Mal begegnen sich Asche und Gold als gleichberechtigte Bildwelten in einer Ausstellung. Marta Herford zeigt ab dem 28. Januar die überraschende Gegenüberstellung zweier Materialien in der Kunst, die in ihrer kulturellen Bedeutung kaum gegensätzlicher sein könnten. Der spannungsreiche Bogen vereint dabei Kunstwerke von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart. Auf der hochkarätig besetzten Künstlerliste finden sich Joseph Beuys, Gerhard Richter, James Lee Byars, Rebecca Horn oder Felix Gonzalez Torres.
Anish Kapoor: Untitled, 2001 Gold - eine ganze Flut bildmächtiger und symbolträchtiger Assoziationen geht von diesem Material aus und führt über Glanz, Reichtum, Reinheit, Zukunft und Erlösung bis weit in höchst individuelle Glücksvorstellungen. Und dennoch sind Wertigkeit und Versprechen dieses Edelmetalls eine reine kulturelle Verabredung, deren Tragfähigkeit sich nicht zuletzt auch in den zwar gemächlicheren, aber nicht zu unterschätzenden Bewegungen der Börsenkurse widerspiegelt. Der Preis einer Feinunze Gold übersteigt aktuell den einer Feinunze Platin. Aber auch Asche ist als Material in hohem Maße mit Symbolik und individuellen Bildern aufgeladen. Steht das Gold für den Beginn einer glänzenden Zukunft, so markiert die Asche das Ende einer vielleicht ehemals leuchtenden Geschichte. Und doch liegt in der Asche eher ein Aufbruch, über ihre Reinigungssymbolik, den Gedanken der Rückkehr zu den Ursprüngen („Asche zu Asche“) ist sie zugleich der Quell neuen Lebens, dessen Kreislauf sich in der mythologischen Gestalt des Phönix manifestiert.
Thomas Demand: Bullion, 2003 Ungeachtet dieses Gedankens der Wiedergeburt ist Asche mit ihrer untrennbaren Verbindung zu Vergänglichkeit und Tod erst einmal negativ besetzt. Sie ist der Endpunkt des Wertverlusts, fast schon ein (ökonomisches wie gesellschaftliches) Nichts: Aschenputtel muss nicht nur die Linsen aus der Asche lesen, sondern schläft auch des Nachts in der Asche neben dem Herd. Im Spannungsfeld dieser höchst gegensätzlichen Materialien eröffnet sich ein sinnlich erfahrbarer Raum zwischen Natur und Kultur, Wert und Mythos, zwischen Leben und Tod. Als Sinnbilder kalter, ewiger Materie und heißer, materialverzehrender Energie sind Asche und Gold zudem Materialien von großer symbolischer Kraft, die sich dem Betrachter nahezu unmittelbar und mit sehr individuellen Interpretationen erschließen.
© Friederike von Rauch Künstler: Pawel Althamer, Gili Avissar, Massimo Bartolini, Lore Bert, Joseph Beuys, Guillaume Bijl, Marcel Broodthaers, James Lee Byars, Jacques Charlier, Paolo Chiasera, Anja Ciupka, Thomas Demand, Igor Eskinja, Luka Fineisen, Lucio Fontana, Michel François, Félix González-Torres, Filip Gilissen, Subodh Gupta, David Hammons, Douglas Henderson, Andy Hope 1930, Rebecca Horn, Alfredo Jaar, Anish Kapoor, Yves Klein, Stefanie Klingemann, Jannis Kounellis, Gereon Krebber, Bruno Krenz, Marie-Jo Lafontaine, Maik und Dirk Löbbert, Heinz Mack, Yaël Nazé, Louise Nevelson, Navid Nuur, Wolfgang Paalen, Mimmo Paladino, Otto Piene, Sigmar Polke, Friederike von Rauch, Man Ray, Erich Reusch, Gerhard Richter, Reiner Ruthenbeck, Jürgen Stollhans, Ines Tartler, herman de vries, Andy Warhol, Lawrence Weiner, Claudia Wieser, Richard Wright. |
|||||||||||
|
- State of the Art Photography
4.2.-6.5.2012 im NRW-Forum Düsseldorf - |
|||||||||||
|
Fotokunst mit großem Zukunftspotenzial Düsseldorf Die Fotografie befindet sich in einem großen Wandel. Es ist nicht nur die digitale Revolution, die das Bildermachen verändert, ihre Technik, ihre Möglichkeiten erweitert. Auch der globale Datenraum selber ist zu einer neuen Ressource geworden. Trotz aller Digitalisierung ist aber auch der entgegengesetzte Weg zum analogen Unikat wieder eine Möglichkeit. Ästhetik und Inszenierung verändern sich. Migration und Globalisierung sind neue Themen. Die Neuen Fotografen haben einen anderen Blickwinkel auf die Geschichte der Fotografie. Sie haben neue Heroen - aus der Geschichte und aus anderen Disziplinen. Sie haben keine Scheu mehr vor dem Auratischen und Sublimen. Und sie sind offen für neue Präsentationsformen, für Installationen, für eine Durchmischung der Medien und Materialien. Die Fotografie, so scheint es, ist endgültig in der freien Kunst angekommen.
Tim Lee: Solo, Merce Cunningham, 1953, 2010 „Die Zukunft liegt nicht in der reinen Fotografie, sondern in der freien Kunst“, postuliert Andreas Gursky, Teilnehmer am Advisory Board der Ausstellung „State of the Art Photography“. Das NRW-Forum Düsseldorf fragte Andreas Gursky, Thomas Seelig, Andréa Holzherr, F.C. Gundlach, Thomas Weski, Udo Kittelmann, Werner Lippert nach den Fotografen, die die Diskussion der kommenden Jahre bestimmen werden. In dieser Übersichtsausstellung werden jeweils mit einem Konvolut an Bildern oder einer Installation 41 Künstler vorgestellt, die diesem Anspruch entsprechen. Renaissance klassischer Themen
Alex Grein: Terra V, 2010 Ästhetik der wissenschaftlichen Betrachtungsweise Auffällig ist, dass die Künstler sich von der Leere abwenden und wieder das Sublime, das Auratische zulassen, wie etwa Andreas Mühe in seinen Fotografien vom Obersalzberg. Die Fotografie ist also nicht nur in der Kunst angekommen - sie hat dabei offensichtlich auch wieder zu sich selbst gefunden.
Elina Brotherus: Artistis At Work, 2003 Die Künstler |
|||||||||||
|
- Utopie Gesamtkunstwerk
20.1.-20.5.2012 im 21er Haus Wien - |
|||||||||||
|
Umwandlung der sozialen Wirklichkeit WIEN Die Ausstellung Utopie Gesamtkunstwerk nähert sich einem Phänomen, das seit über 100 Jahren heiß umstritten ist. Die von Richard Wagner für die Oper entwickelte Idee des „Gesamtkunstwerks“ strebte ursprünglich eine Verbindung von Architektur, Malerei, Musik, Schauspiel, Tanz und Dichtung an. Mit dem Umbruch der Avantgarde nach 1918 erwuchs daraus eine Kunstvorstellung, die mehr wollte als rein ästhetische Verschmelzungen: große Utopien, die neue Lebensmodelle propagierten, die Überwindung von Kunst und Gesellschaft forderten und auf eine Umwandlung der sozialen Wirklichkeit abzielten.
Hermann Nitsch: Schüttbild der 40. Malaktion, 1997 Die Schau Utopie Gesamtkunstwerk wirft einen zeitgenössischen Blick auf diesen historischen Entwurf, indem sie auf dessen revolutionäre Ideen zurückgreift, emanzipatorisches Potenzial beleuchtet und jene Reste, die für die Gegenwart von Bedeutung sind, hervorhebt. Bettina Steinbrügge und Harald Krejci, die Kuratoren der Ausstellung, beschreiben ihren Ansatz folgendermaßen: „Unser Ausgangspunkt waren junge Künstler. Im Rahmen der Vorbereitung sind wir dann bis in die 1950er-Jahre zurückgegangen und haben versucht auszuloten, was das Gesamtkunstwerk heute noch sein kann - in Zeiten von Fragmentierung, wo eigentlich alles verfällt und man das Gegenteil vom Ganzen hat.“ Anhand von über 50 nationalen und internationalen Positionen wird die Kunst nach 1950 demgemäß zu den Möglich- oder Unmöglichkeiten befragt, die übrig gebliebenen Fragmente der Idee des Gesamtkunstwerks neu zu lesen. Dabei scheinen die fragmentarischen Verschmelzungsideen des Gesamtkunstwerks mit unterschiedlichen Bezügen auf. Die im Zusammenhang mit dem Gesamtkunstwerk geforderten Grenzüberschreitungen von Kunst und Leben, von Inszenierung und Realität, von Bühne und öffentlichem Raum finden etwa gleich mehrfach Ausdruck: Christoph Schlingensief - der auch in Bayreuth inszenierte - vernetzt in seinem Fluxus-Oratorium „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ die Künste zu einem multimedialen Kulminationspunkt, Joseph Beuys überwindet mit seiner aus dem Jahr 1982 stammenden Aktion 7000 Eichen Stadt-verwaldung statt Stadt-verwaltung die Grenze zwischen Kunst und Leben durch eine „ökologisch soziale Plastik für die Ewigkeit“ und Una Szeemann lässt die mystischen Ansätze der ausdruckstanzenden Lebensreformer aus Ascona in dem Film Montewood Hollyverità aufleben, indem sie den Monte Verità, den Berg der Wahrheit, mit Hollywood vereint und eine Genealogie von den Utopisten um 1900 bis hin zur Illusionsmaschine Hollywood zieht. Eine andere Grenze, nämlich die Kluft zwischen Kunst und Wissenschaft, bearbeitet Heinz Emigholz in seinem Film „Zwei Projekte von Friedrich Kiesler“, in dem er zwei der ganzheitlichen Designkonzepte jenes Architekten und Künstlers gegenüberstellt. Der junge österreichische Künstler Ralo Mayer bearbeitet derweil wissenschaftliche Utopien jüngeren Datums, indem er das in den 1990er-Jahren gescheiterte Ökosystem „Biosphere 2“ performativ untersucht und neu ordnet. Die Rolle des Publikums, im Kontext des Gesamtkunstwerks oft als einseitig und rein passiv gedacht, erfährt ebenfalls eine mehrfache Durchbrechung: Julia Hohenwarters Objekt „Catwalk“ etwa lässt die Akteure Spuren auf beweglichen Säulen und Kuben hinterlassen und gibt ihnen somit die Möglichkeit, den Weg über den „Catwalk“ mitzugestalten. Auch in Bernhard Cellas „Salon für Kunstbuch“ im 21er Haus wird der Betrachter zum Bestandteil künstlerischer Produktion: Der Salon fungiert als lebensgroßes 1:1-Modell eines Museumsshops, in dem sich die Beziehungen zwischen den Personen, den Gegenständen und den angebotenen Kunstwerken entfalten können. Andere Verschmelzungen, wie die Schaffung von neuen, oft widersprüchlichen Einheiten, treten in Jason Rhoades’ absurden Leuchtreklamekonvoluten ebenso zutage wie in Klaus Auderers fotografischer Arbeit „Groundzerosystems: Baghdad 2003, Phnom Penh 2005“, die „Ground Zero“ und Bagdad in Beziehung setzt. Differenzen und Trennlinien bestimmen wiederum die Werke von Liam Gillick und Heimo Zobernig, die Entwürfe der Moderne - etwa von Kandinsky oder Le Corbusier - durch analytische Zerlegung in neue Bühnen für soziale Interaktionen umformen.
Ernst Caramelle: ohne Titel, 1986 Auch der utopische Wunsch nach einer lebenswerteren Gesellschaft und die Frage, welche Lebensmodelle heute noch oder wieder möglich sind, stehen im Fokus zahlreicher Arbeiten: Claire Fontaine zeigt dies sehr einfach, indem sie im Video I ein iPhone zerstört und damit Fragen nicht nur nach dem undemokratischen Charakter heutiger Kommunikationsmethoden, sondern auch danach, ob unsere Gesellschaft derartige „Kultgegenstände“ wirklich braucht, aufwirft. In einem übergreifenden Display hat die Künstlerin Esther Stocker eine Bühne für diese Arbeiten und jene von Künstlern wie Walter Pichler, Monica Bonvicini, Constanze Ruhm, Hans Hollein, Tom Burr, VALIE EXPORT, Gerwald Rockenschaub, gelatin, Helga Philipp oder Hermann Nitsch geschaffen. Gemäß der Idee von „Utopie Gesamtkunstwerk“ wurde eine Architektur gestaltet, die als skulpturales Objekt eine scheinbar ganzheitliche Theaterbühne inszeniert und in ihrer gleichzeitigen Aufspaltung einer formalen Einheit die Frage stellt, was eigentlich das „Ganze“ sei. Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere und des 21er Haus, sieht die Ausstellung auch als klares Statement für die Zukunft des neuen Museums: „Utopie Gesamtkunstwerk vereint Positionen der österreichischen Kunst ab den 1950er-Jahren und präsentiert sie im Zusammenhang mit Arbeiten internationaler Künstler. Der Ansatz, die Präsentationsform als integrativen Bestandteil der Ausstellung zu verwenden, ist ebenso programmatisch zu verstehen wie die aktive Einbeziehung des Besuchers.“
Teilnehmende Künstler: Marc Adrian, Klaus Auderer, Josef Bauer, Joseph Beuys, Monica Bonvicini, Christian Boltanski, Marcel Broodthaers, Günter Brus, Daniel Buren, Tom Burr, Ernst Caramelle, Bernhard Cella, Cityrama, Heinz Emigholz, VALIE EXPORT, Claire Fontaine, Peter Friedl, gelatin, Inspection Medical Hermeneutics (Pavel Pepperstein, Sergej Anufriew), Isa Genzken, Liam Gillick, Franz Graf, Thomas Hirschhorn, Julia Hohenwarter, Hans Hollein, Christian Jankowski, Ilya Kabakov, Tillman Kaiser, Jean Kalman, Ian Kiaer, Friedrich Kiesler, Martin Kippenberger, Mahony, Gordon Matta-Clark, Ralo Mayer, Paul McCarthy, Jonathan Meese, Hermann Nitsch, Oswald Oberhuber, Hermann Painitz, Seb Patane, Helga Philipp, Walter Pichler, Marjetica Potrc, Jason Rhoades, Thiago Rocha Pitta, Gerwald Rockenschaub, Constanze Ruhm, Gerhard Rühm, Markus Schinwald, Jörg Schlick, Christoph Schlingensief, Gregor Schneider, Esther Stocker, SUPERFLEX, Una Szeemann, Peter Weibel, Franz West, WochenKlausur, Fritz Wotruba, Heimo Zobernig.
|
|||||||||||
|
- Turner - Monet - Twombly. Later Paintings
11.2.-28.5.2012 in der Staatsgalerie Stuttgart - |
|||||||||||
|
Vielfalt faszinierender Bezüge Stuttgart William Turner (1775-1851), Claude Monet (1840-1926) und der erst kürzlich verstorbene Cy Twombly (1928-2011) zählen zu den bedeutendsten Künstlern der vergangenen 150 Jahre.
William Turner: Sonnenuntergang über einem See, um 1840 Sorgfältig ausgewählte Gegenüberstellungen ihrer späten Werke decken eine Vielfalt faszinierender Bezüge zwischen den erstmals in Deutschland gemeinsam gezeigten Künstlern auf. Im Dialog mit Twomblys abstrakten Ölbildern zeigt sich, wie radikal und modern Turners Bildsprache in seinen späten Jahren war. Neben Monet erweist sich Turner als Wegbereiter des Impressionismus. Und Twombly wirkt im Kontext von Monet und Turner geradezu klassisch.
Claude Monet: Nymphéas, 1916-19 Turner, Monet und Twombly teilen in ihrem Spätwerk eine Leidenschaft für expressive Farben, Auflösung der Form, Atmosphäre und Verdichtung. Die letzte Schaffensperiode ist Ausdruck einer ungebrochenen Lebenskraft. Der besonderen Intensität, die jedes einzelne Werk dadurch erhält, kann sich der Betrachter nicht entziehen.
Cy Twombly: Untitled (Blooming: A Scattering of Blossoms and Other Things), 2007 Dank großzügiger Leihgeber, unter anderen aus den USA, Großbritannien, der Schweiz, Frankreich und Deutschland, konnten fast 70 herausragende Spätwerke dieser drei Maler zusammengeführt werden. Allein die Tate Britain schickte 18 ihrer Gemälde von William Turner auf Reisen. Ab 11. Februar ist die exzeptionelle Schau in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. Die Ausstellung wird organisiert vom Moderna Museet, Stockholm, in Zusammenarbeit mit der Staatsgalerie Stuttgart und Tate Liverpool. |
|||||||||||
|
- Beuys, Warhol, Polke & Co - 40 Jahre Kunsthalle Tübingen
11.2.-10.6.2012 in der Kunsthalle Tübingen - |
|||||||||||
|
Pop-Art, Fluxus und Konzeptkunst Tübingen Anlässlich ihres 40. Jahrestages blickt die Kunsthalle Tübingen auf ihre Geschichte zurück. Bevor das Ausstellungshaus durch große Publikumserfolge zur klassischen Moderne seinen legendären Ruf erhielt, dominierten Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst das Programm. Diese beiden Schwerpunkte werden nun in zwei aufeinander folgenden Jubiläumsausstellungen einzeln gewürdigt.
Joseph Beuys: Filzwinkel mit 32 Grad Filzwinkel, 1958 Nach der ersten Schau mit Werken von Degas, Cézanne, Renoir, Toulouse-Lautrec und Picasso werden in einer zweiten Jubiläumsausstellung jene künstlerische Positionen des ausgehenden 20. Jahrhunderts vorgeführt, die durch Ausstellungen in der Kunsthalle Tübingen maßgeblich gefördert wurden.
Richard Hamilton: Just what is it that makes today's homes so different, so appealing? 1969 Kunsthallendirektor Götz Adriani präsentierte unter anderem hoch beachtete Werkschauen zu Franz Erhard Walther (1972), George Segal (1972), Ulrich Rückriem (1973), Joseph Kosuth (1973), Joseph Beuys (1973), Richard Hamilton (1974), Claes Oldenburg (1975), Bernd und Hilla Becher (1976), Sigmar Polke (1976), Frank Stella (1977), Richard Serra (1978), Robert Rauschenberg (1979), Bruce Naumann (1986), Andy Warhol (1988), Anselm Kiefer (1990) oder Duane Hanson (1991).
Sigmar Polke: Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen! 1969 Die Jubiläumsausstellung konzentriert sich auf einige besonders herausragende Künstler dieser Zeit. So werden Joseph Beuys mit Papierarbeiten, Andy Warhol mit Gemälden und frühen Zeichnungen, Bernd und Hilla Becher mit Fotografien von Fördertürmen oder Richard Hamilton und Robert Rauschenberg mit prominenten Werken gezeigt. Sigmar Polke, der die Kunstgeschichte des ausgehenden 20. Jahrhunderts durch effektvolle Materialexperimente und subtile Ironie beeinflusste, steht mit jenen Hauptwerken im Mittelpunkt der Präsentation, die bereits 1976 bei seiner ersten Retrospektive in der Kunsthalle Tübingen zu sehen waren. So ist diese Zusammenschau einer von Pop-Art, Fluxus und Konzeptkunst geprägten Zeit auch als Hommage an den 2010 verstorbenen deutschen Maler zu verstehen. |
|||||||||||
|
- Making History
20.4.-8.7.2012 im Museum für Moderne Kunst Frankfurt - |
|||||||||||
|
Imago ergo sum Frankfurt Von April bis Oktober 2012 präsentiert RAY Fotografieprojekte in Frankfurt Rhein-Main herausragende, internationale Positionen der zeitgenössischen Fotografie und Videokunst. RAY besteht aus der über drei zentrale Standorte verteilten Hauptausstellung MAKING HISTORY in Frankfurt sowie zahlreichen Partnerausstellungen und -projekten in Frankfurt und der Region.
Kathrin Günter: Untitled, 2007 Mit RAY 2012 positioniert sich die Rhein-Main-Region einmal mehr als bedeutender Standort in der zeitgenössischen Fotografie. Erstmalig haben sich neun starke Partner zusammengeschlossen, um diesen Auftritt zu ermöglichen: die Art Collection Deutsche Börse, die Darmstädter Tage der Fotografie, die DZ BANK Kunstsammlung, das Fotografie Forum Frankfurt, der Frankfurter Kunstverein, die Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. im Stadtmuseum Hofheim am Taunus, das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, das Städel Museum und die Stiftung Opelvillen, Rüsselsheim folgen der Initiative des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Prof. Dr. Herbert Beck, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, begründet seine Motivation für die Initiative folgendermaßen: „Wir wollten alle an einen Tisch holen, um den hohen Rang, der der Fotografie in Frankfurt und der Rhein-Main-Region eingeräumt wird, hervorzuheben.“ Jedes der am Projekt beteiligten Häuser bereichert und ergänzt das Projekt mit seiner Expertise und einer eigenen Präsentation zeitgenössischer Fotografie. „Diese Art der Kooperation, bei der es gelingt, unterschiedliche Blickwinkel und Kompetenzen in fruchtbarem Austausch zu bündeln, ist aus unserer Sicht die besondere Stärke von RAY“, so die Kuratoren der Hauptausstellung MAKING HISTORY in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Manit Sriwanichpoom: Bloodless War, 1997 Der Blick nach vorne So zeigt die erste Ausgabe von RAY neben der zentralen Hauptausstellung MAKING HISTORY ein facettenreiches Programm aus Partnerausstellungen und Veranstaltungen, das sich mit dem Begriff der ZEIT in der heutigen Fotografie beschäftigt. Die Art Collection Deutsche Börse startet die RAY Partnerprojekte mit „Be here now“, einer Ausstellung über den fotografischen ZeitRaum. Das gesamte RAY Partnerprogramm der Darmstädter Tage der Fotografie, der DZ BANK Kunstsammlung, des Fotografie Forum Frankfurt, der Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. im Stadtmuseum Hofheim am Taunus, des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, des Städel Museum und der Stiftung Opelvillen ist bis Oktober 2012 in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet zu sehen. Detaillierte Informationen sind unter www.ray2012.de zu finden.
Simon Norfolk: Former teahouse in a park next to the Afghan Exhibition of Economic and Social Achievements in Kabul, Afghanistan, 2001 Die Bedeutung der Geschichte und die Fragen der Gegenwart In Mediengesellschaften entsteht Realität offenbar erst durch Bilder: Gesellschaftliche Ereignisse scheinen nur dann stattzufinden, wenn sie medial präsent sind. Gerade die jüngere Generation definiert sich heute in starkem Maße über Abbildungen: imago ergo sum. Nicht nur gesellschaftlich und politisch bedeutende, sondern auch private, banale und marginale Ereignisse werden heute zum Bestandteil öffentlicher Realität, wenn sich Bilder davon durch mediale Schneeballeffekte in Social-Media-Netzwerken verbreiten. Wer Bilder herstellt, ist immer auch Konstrukteur von Realität. Diese Entwicklung lässt sich auch anhand der fotografischen Dokumentation historischer Ereignisse nachvollziehen. Historische Ereignisse waren und sind bis heute auch eng an politische Konflikte und Kriegsereignisse geknüpft. Immer wieder hat sich so in den Kriegsgeschehen nach 1945 gezeigt: wer die Macht über die Bilder hat, hat die Macht über das Geschehen. Bilder, vor allem im Netz, sind nicht mehr wegzudenken aus einer mediatisierten Öffentlichkeit - Bilder wie Bildermacher werden gleichermaßen instrumentalisiert, wie sie selbst instrumentalisieren.
Viktoria Binschtok: Suspicious Minds Wie reagieren die Künstler der Gegenwart auf diese Entwicklung? Die Künstler in der Ausstellung bieten keine eigenen Geschichtsmodelle an. Stattdessen sind in ihren Arbeiten unterschiedliche Sichtweisen auf historische Ereignisse zu erkennen, die als erweiterte Darstellungsformen von Geschichte sowie als subjektive Historienbilder verstanden werden können und eigenständige Vorstellungen über die Entstehung von Historie vermitteln. Beteiligte Künstler: Taysir Batniji (AUT), Nina Berman (USA), Viktoria Binschtok (D), Robert Boyd (USA), Luc Delahaye (F), Thomas Demand (D), Harun Farocki (D), Omer Fast (IL/USA), Samuel Fosso (RCA), Kathrin Günter (D), James Howard (GB), Alfredo Jaar (USA), Sven Johne (D), William E. Jones (USA), Barbara Klemm (D) , Petra Köhle & Nicolas Vermot Petit-Outhenin (CH), David LaChapelle (USA), Eva Leitolf (D), Armin Linke (D), Gustav Metzger (GB), James Mollison (GB), Simon Norfolk (GB), Peter Piller (D), Elodie Pong (CH), Paul Qaysi (USA), Walid Raad (LIB), Doug Rickard (USA), Martha Rosler (USA), Michael Schmidt (D), Frank Schramm (USA), Manit Sriwanichpoom (TH), Hank Willis Thomas (USA), Oliviero Toscani (I), Jeff Wall (CAN), Michael Wolf (F), u.a. Inhaltlich verantwortlich für die Hauptausstellung zeichnet das Kuratorenteam Anne-Marie Beckmann (Art Collection Deutsche Börse), Lilian Engelmann (Frankfurter Kunstverein), Peter Gorschlüter (MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main), Dr. Holger Kube Ventura (Frankfurter Kunstverein), Alexandra Lechner (Darmstädter Tage der Fotografie) und Celina Lunsford (Fotografie Forum Frankfurt). |
|||||||||||
|
- Gert & Uwe Tobias
28.1.-18.11.2012 im Hamburger Kunstverein - |
|||||||||||
|
Traumhafte Qualität Hamburg Für den Kunstverein in Hamburg entwickelten Gert & Uwe Tobias (*1973 in Brasov, Rumänien, leben in Köln) eine Installation, die das Haus in seiner räumlichen Gesamtheit zu einem fantastischen Kopfraum werden lässt: Vom Foyer, über das Treppenhaus in beide Ausstellungsräume hinein, auf einer Gesamtfläche von ca. 1.300 m2, erstrecken sich ihre mehr als 100 Arbeiten von Januar bis April 2012. Danach wird nach und nach ein Teil ihrer Installation verschwinden und Platz machen für die Präsentationen weiterer Künstler, bis am Ende des Jahres nur noch das Foyer und das Treppenhaus mit ihren Arbeiten erhalten sind.
Installationsansicht Gert & Uwe Tobias bilden damit sowohl den Auftakt als auch den visuellen Rahmen für das Jahresprogramm 2012 des Kunstvereins. Sie konzentrieren sich nicht nur auf die Bildproduktion als solche, sondern beziehen den Raum in ihre gestalterischen Überlegungen bewusst ein. Die Brüder arbeiten seit Ende ihres Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig gemeinsam an Zeichnungen, Keramiken, Collagen und Holzschnitten, die sie zu Gesamtinstallationen zusammenfügen, die oftmals über farbige Akzentuierungen und räumliche Eingriffe zusammengehalten werden. Für die Ausstellung im Kunstverein haben sie die jeweils gegenüberliegenden Wände in dunkles Schwarzblau gehüllt und mit bordürenartigen Zackenlinien begrenzt, die scheinbar nahtlos aneinander schließen. Die blauen Wände fungieren als eine Art Scharnier, welches die unterschiedlichen Arbeiten miteinander in Beziehung setzt und die strikte Trennung zwischen Raum und Werk auflöst. Neben der visuellen Klammer verbinden sich die Arbeiten auch auf der Ebene der Motivik. In all ihren Medien spüren Gert & Uwe Tobias den Ausgeburten surrealer Vorstellungen und Fantasien nach. Zumeist sind es Figuren, die zwar dem Menschlichen nahe stehen, sich aber andererseits weit von ihm entfernen. Dabei greifen sie auch auf folkloristische und traditionelle Motive zurück, die aus kollektiven gesellschaftlichen Strukturen, ihren eignen Erinnerungen und Überlieferungen entspringen. So verwenden sie z.B. auch das Strickmusterbuch ihrer Mutter, welches sie als Raster für typografische Anordnungen heranziehen.
Installationsansicht Die domestizierte Motivik übertragen sie z.B. auch auf ihre großformatigen Holzschnitte oder ihre Schreibmaschinenzeichnungen. Beides sind vermittelte Arbeitsweisen, die aufwändig und durch Überlappung funktionieren. Ihre Holzschnitte entstehen im Puzzledruck, einem Verfahren, das aus einer Anzahl von Druckstöcken das eigentliche Bild zusammensetzt. Am Ende entstehen komplexe Bildkompositionen, die an kunsthistorische Sujets wie Stillleben oder Portraits erinnern und zwischen Figuration und Abstraktion changieren. Von jedem Holzschnitt entstehen, der Idee der Massenreproduktion entgegengesetzt, gerade einmal zwei Drucke. Ihren Ausstellungen stellen Gert & Uwe Tobias einen speziellen Holzschnitt voran, der dem Betrachter im Ausstellungsraum als Hinweisschild aufgestellt, begegnet. Wie der Umschlag eines Buches eröffnet es den surrealen Raum, in dem sich die Narration der Einzelelemente entfaltet. Gleichzeitig fungiert er - in großer Auflage reproduziert - als Einladungskarte und Ausstellungsposter, wodurch der Charakter des originären Kunstwerkes unterlaufen und die massenmediale Distribution betont wird. Auch weitere Aspekte in ihren Ausstellungen haben pragmatische Anknüpfungspunkte: Ihre kleinformatigen Keramiken präsentieren sie weitgehend auf Sockeln, denen in Form von Alltagsgegenständen ein weiterer Sockel beigegeben wird. Manche wachsen wie Flaschengeister aus Vasen hervor, andere stehen auf Tellern oder Butterdosen und Kaffeekannen. Das Haushaltsporzellan ist dabei den Keramiken nicht fremd, sondern entspricht ihm durch die Ähnlichkeit der Materialität und der Verarbeitung.
Gert & Uwe Tobias: Ohne Titel, 2011 Die Keramiken sind nur wenig geformt. Aus mantelartigen Umhängen, Kopfbedeckungen und Kapuzen wachsen zerfurchte Gesichter hervor, die fremd und gleichzeitig allzu bekannt sind, und reichlich Freiraum für eigene Assoziationen lassen. Auch den ebenfalls kleinformatigen Zeichnungen und Collagen mit ihren verwischten Konturen ist eine traumhafte Qualität zu Eigen. Die Skizzen und Zeichnungen wirken wie Vorarbeiten für die Holzschnitte und sind Etappen auf dem Weg zu immer größerer Abstraktion, bis das Motiv in seiner grafischen Formumsetzbar wird. So ist es kein Zufall, dass auch das Schriftzeichen als grafische Abstraktion par excellence in ihren Arbeiten immer wieder auftaucht. Das zunächst Ungeformte und latent Vorhandene erfährt in Form des Musters eine immer stärkere Konventionalisierung. Aber eben auch eine Abstrahierung, die wiederum dem Träumerischen sein Zuhause gibt. |
|||||||||||
|
|||||||||||
|
|||||||||||
![]() |
![]() |
||||||||||